Auch schon mal drüber nachgedacht!?
Das 60. Lebensjahr überschritten, 1.000 Flugstunden oder mehr im Flugbuch, die Platzrunde schon des Öfteren bis mindestens zu den umliegenden Plätzen erweitert und ein bis zweimal im Jahre den Deutschlandflug oder das nahe liegende Ausland besucht. Das soll’s
denn gewesen sein - fliegerisch wenigstens? Nee - nicht für mich!
Aber worin liegt dann noch eine Herausforderung. 2-mot - ist im Verein nicht verfügbar?
IFR oder Fluglehrer - eh… ich bin Rentner und habe keine 10.000 Euro über, sagt meine Frau wenigstens und die weiß es ganz genau! Abgesehen davon 125 Stunden Theorie, mindestens 30 Stunden Praxis und dann noch CPL oder entsprechende Wissensprüfung und das bei nachlassendem Gedächtnis und körperlicher Konstitution - Depression machen sich breit und der „Grüne Veltliner“ ruft - aber rettet mich nicht, obwohl gut temperiert und in angenehmer Gesellschaft.
Und wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her: „Einweiser!!!“
Bei meiner Erfahrung mit plötzlich zu kurzen Plätzen, unkalkulierbaren Seitenwinden und ständig wechselnden VFR- Bedingungen und das über mehr als 30 Jahre ohne erkennbare Schäden (für den Verein jedenfalls) - Ich bin der geborene Einweiser - dachte ich mir so.
„Einweiser“ in den Internet-Browser eingegeben - da müsste doch sofort was kommen! Kam aber nicht, erst unter
ferner liefen nach ca. der 10ten Seite fiel das Wort CRI oder Class Rating Instructor!
Also nochmals "CRI" in den Browser und dann kam die Erleuchtung in Form von Gustav Holdosi und seiner Motorflugunion (MFU) Klosterneuburg in Österreich.
Telefonnummer angerufen und schon hatte ich Gustav an der Muschel - „Jo der nächste Kurs ist im Septömber in Wiener Neustadt, es ist der zweite CRI-Kurs, schau doch einfach am Vorabend zum Beginn des Kurses im Bistro am Flugplatz vorbei, oalles Oandere regeln wir doa!
Und auf der Webseite findest Du oalles weitere eh … übrigens wieviel wiegst Du? … Ei jo !? da nimmst hoalt "die Große“ (Cessna). Erst einmal beeindruckte mich die Unkompliziertheit der Organisation, dann die von mir geschätzten Kosten von ca. 2.000 - 2.500 Euro (incl. Hotel) und das sich das bei Ankunft auch alles bestätigte !
Als ich dann auf dem Hamburger Flughafen im Warteraum zum Flug nach Wien auch noch einen alten Fliegerkollegen traf, mit dem ich vor 30 Jahren im gleichen PPL-Kurs gesessen habe und der auch auf dem Weg nach Wiener Neustadt zum CRI-Kurs bei Gustav war, war für mich ein gutes Vorzeichen.
Meine Frau kam natürlich mit - sie wollte neben Vienna Shopping natürlich nachsehen, ob die ca. 2.500 Euro denn auch gut angelegt waren - wären sie auch, wenn man das Vienna Shopping und die Wiener Cafehäuser hätte wirtschaftlich außer Acht lassen können.
Übrigens - Anfragen be z. CRI-Kurs bei deutschen Flugschulen / Internet … Fehlanzeige !
Unser Kursus war belegt von 4 deutschen Piloten:
• 1 x Luftamt Oldenburg/Niedersachsen (Uwe „The Rocket“)
• 1 x Luftamt Hamburg (Jörn Christopher „der Schweiger“ )
• 1 x Luftamt Münster/Nordrheinwestfalen (Elmar „der Macher“)
• 1 x Luftamt Süd/Bayern (Adolf „der Coole“)
und einem aus dem Alpenländle
• 1 x Austrocontrol Österreich (Erik der „Alleskönner“) aus Vöslau bei Wien.
Ein illustres Gemisch an deutscher und österreichischer Fliegerkultur, welches zusätzlich noch durch die durchweg österreichischen Fluglehrer, der K&K Herkunft des MFU Geschäftsführers Gustav Holdosi und dem „österreichischen Deutsch-Spanier“ Gerald Gollob aufgemischt wurde. Man kann sich nur ungefähr vorstellen, wie diese Charaktere das meist gemeinsame „After-Sunset-Bier“ und Abendessen prägten und genossen:
• Gustav „Plastikfan“ / MFU Geschäftsführer
• Gerold „Businessman“ / Kursusleiter und Fluglehrer
• Werner „Iceman“ / Fluglehrer
• Wolfgang „Woodstock “ / Fluglehrer
• Werner „Jetman“ / MFU Ausbildungsleiter
• Manfred „Handyman“ / Prüfer
Wir hatten Spaß - sehr viel Spaß!
Doch wie man sich denken kann, wurde trotz des Spaßes hart und intensiv gearbeitet. Die 25 Stunden Theorie waren trotz eines Abschlusstestes interessant, angenehm und kurzweilig und hatten hauptsächlich „Das Lehren lernen“ mit all seinen Facetten, Problemen, Tücken aber auch das Erarbeiten von Lösungen in Arbeitsteams zum Thema - wie gesagt interesant und kurzweilig.
Da erforderten die Praxisstunden vom rechten Sitz mit Steilkurven, Langsamflügen, Stalls, Fliegen unter der Haube und sonstigen Nicklichkeiten aus der PPL-Praxis schon einen anderen Einsatz.
Wenn man dann wie ich mir selbst zum Überfluss die Anzahl an Varianten noch heraufsetzte (Neuer Flugzeugtyp, unbekannte Gegend, neuer Platz, schwer verständlicher Funk-Slang und das alles vom rechten Platz) - ja dann musste eben zweimal am Tag das Hemd gewechselt werden. Doch mit der Anzahl an Trainingseinheiten, der Geduld und dem Einfühlungsvermögen der Fluglehrer fing es an, richtig Spaß zu machen, wir wurden zum Team und auch ich kam mit einem Hemd pro Tag aus.
Die kurzen Wege vom Hotel zum Unterrichtsraum, zum Flugplatz und ins Bistro taten Ihr Übriges. Am 6.Tag waren wir alle prüfungsreif und es hat denn ja auch geklappt. Der Prüfungsflug entsprach vom Inhalt her dem eines PPL-Prüfungsfluges - jedoch vom rechten Sitz aus. Sauberes Briefing und Debriefing und natürlich ein „undisziplinierter“ Einzuweisender (Prüfer) auf dem linken Sitz, um auch die korrekte sichere Reaktion und das Eingreifen eines zukünftigen CRI’s zu prüfen, stellten die besondere Herausforderung dar.
Der Class Rating Instructor (CRI) nach JAR-FCL hat im wesentlichen folgende Kompetenzen:
• Ausbildung für ein Class Rating , z.B. Single Engine Piston (SEP) für einen MOSe-Piloten
• Abnahme des Übungsflugs nach JAR-FCL und ICAO-alt
• Eintrag der Verlängerung des jeweiligen Ratings in die Lizenz
• Vertrautmachen und Differenzschulung nach JAR-FCL
• CVFR-Training, Einweisung auf Schleppflugzeug, Nachtflug, wenn entsprechende Eintragung vorhanden.
Im Nachherein kann man Vereinen, denen es an Fluglehrern mangelt nur anraten erfahrenen Piloten eine Ausbildung zum CRI zu fördern. Damit können die wenigen Fluglehrer von Check - und Überprüfungsflügen, Differenzschulungen, … etc. entlastet werden.
Meine Luftfahrtadressenliste ist in den paar Tagen in Wiener Neustadt um mindestens 10 gute Adressen reicher geworden. Ich werde sie nutzen!
Wir bieten auf Anfrage gerne einen genehmigten << Lehrgang >> ab 5 Teilnehmern an.
