JUBILÄUMSFLUGTAG WIEN-ASPERN (LOWA) vom 5.-6. und 12. bis 13. April 1997


Plakat Jubiläums-Flugtag Wien-Aspern 1997   

Mit dem JUBILÄUMSFLUGTAG WIEN-ASPERN am 5., 6., 12. u. 13. April 1997 führte die MOTORFLUGUNION KLOSTERNEUBURG am damals seit fast 21 Jahren gesperrten Wiener Flughafen (LOWA) in Wien-Aspern die bisher größte in Aspern durchgeführte Luftfahrtveranstaltung der 2. Republik durch. Wegen Schlechtwetters wurde die Veranstaltung mit insgesamt über 5000 Besuchern an zwei Wochenenden hintereinander durchgeführt.
Es war gleichzeitig auch der letzte Flugtag am historischen ersten Flughafen von Wien, der unter dem Ehrenschutz von Bgm. Michael HÄUPL stand und dem letztlich öffentliches Interesse zuerkannt wurde.

Der organisatorische Aufwand war jedoch dementsprechend groß, denn die  Aussichten zur Genehmigung des Flugtages schienen aussichtslos und waren auch ursprünglich nicht vorhanden.
Damit begann die Beinarbeit etwas Unmögliches zustande zu bringen. Schließlich musste durch die Errichtung der neuen Piste in LOWW der Flughafen Aspern LOWA weichen, ein Nebeneinander war durch die Politik nicht gewünscht. Erste Gespräche beim damaligen Chef der Flugsicherung AUSTRO CONTROL Dr. Herwig BAUER waren zudem ablehnend verlaufen. Lobbying war also angesagt.

  • Dipl.-Ing. Johann Rausch war damals Geschäftsführer der AUSTRO CONTROL und ein ehemaliger Asperner Pilot. Ein entsprechendes Ersuchen um Genehmigung des Flugtages wurde ventiliert,
             die Machbarkeit vom ehemaligen Chef des Turms LOWW für möglich gehalten und befürwortet.
  • Ein Probeüberflug der Anflugrouten mit dem Bezirksvorsteher Donaustadt zur Beurteilung der Lärmsituation sowie eine Beschlussfassung zur Befürwortung des Flugtages
  • Ein Klosterneuburger Gemeinderatskollege als Mitarbeiter der MA64 als zuständige Luftfahrtbehörde an Bord der D-EIDW durch Befliegung der Anflugstrecken mit der Situation vertraut gemacht 
  • Die Landesleitung des ARBÖ Wien wurde um Unterstützung ersucht und eine Zustimmung für eine Veranstaltung auf derem gepachteten Übungsgelände am ehemaligen Wiener Hauptflughafen erwirkt
  • General Motors Aspern (Opel Austria) wurde mit dem geplanten Flugtag konfrontiert und ersucht das im Weg stehende Hochregallager im Anflug auf die Piste 18/36 zu räumen, ansonsten ein Flugtag nicht möglich
              gewesen wäre

Erforderlich war damals ein ANTRAG 

  • auf Genehmigung von Aussenlandungen
  • auf Ausnahme vom Flughafenzwang zum internationalen JUBILÄUMSFLUGTAG Am 5. und 6. April 1997 (ERSATZTERMIN BEI SCHLECHTWETTER am 12. und 13. April 1997
  • auf Bewilligung des Nebenwegsverkehr durch die Finanzlandesdirektion für Wien, Hr. Dr. Zarzi.
  • Aufgrund einer Vereinbarung mit  Austrocontrol übernnahm das AIS Wien-Schwechat  im Interesse einer sicheren und geordneten Flugabwicklung die Einflugkoordination in den Wiener Luftraum mittels SLOT-Vergabe.           Das heißt, dass zur Vermeidung von Verzögerungen eine einzuhaltende Ankunftszeit vereinbart werden mußte. Flüge ohne SLOT-Zuteilung mussten mit längeren Wartezeiten rechnen oder liefen Gefahr nötigenfalls auf             andere Plätze umgeleitet zu werden. AIS Wien war unter der Telefonnummer 0222/7007-2253 zu erreichen.
              Vor Einflug in die Kontrollzone Wien war mit Wien-Information (118,525 Mhz) Kontakt aufzunehmen, um die aktuelle Landepiste in Aspern zu erfragen.
              Für den Abflug von Wien-Aspern wurden SLOTS direkt in Aspern vergeben, um für alle ein rechtzeitiges Verlassen des Platzes sicherstellen zu können. Diese waren bei der Flugleitung (Controller Hannes FEHRER) in
              Aspern unmittelbar nach der Landung zu beantragen und ebenfalls pünktlich einzuhalten. Flugpläne für den Abflug oder allfällige Rundflüge (aufgrund der zahlreichen Anmeldungen nur eingeschränkt möglich) konnten
              bei SLOT-Zuteilung in Aspern aufgegeben werden.
  • Beantragung eines NOTAMs und des AIP SUP 003/97 vom 13. März 1997
  • Gemäß Mitteilung der MA 64 wurden sämtliche angemeldeten Flüge bewilligt. Die Bewilligung wurden dem verantwortlichen Piloten direkt nach der Landung in der Flugleitung ausgehändigt und war deren Übernahme zu bestätigen. 

 Hier der Anflug von der Donau direkt nach LOWA aus dem Cockpit  

Die Anflugvoraussetzungen für Piloten, welche per NOTAM von AUSTRO CONTROL Abt. Flugbetrieb verlautbart wurden:
Die Piste ist geeignet für Luftfahrzeuge der Gewichtsklasse A und C, besteht aus Beton und ist 53m breit, aber nur 480 m lang! Die Pistenmitte ist optisch als Entscheidungshilfe mit einer gelben Querlinie  markiert. Hindernisse im Anflug auf die Piste 36 sind gemäß beiliegender Flugplatzkarte zu beachten! Sämtliche Anflüge erfolgen auf eigene Gefahr! 
Betankung: AVGAS 100 LL
Es wird dringend empfohlen, das gültige NOTAM und das AIP SUP 003/97 vom 13. März zu beachten, sowie Ihre Start- und Landestrecken zu überprüfen. 

Bodenorganisation: Aufgrund der vermutlich hohen Landefrequenz und der geplanten Flugvorführungen und Rahmenprogramme, aber auch durch Rundflugunternehmen ist das rasche Verlassen der Piste zwingend erforderlich. Bitte beachten Sie unbedingt die Anweisungen des Bodenpersonals!

Parkmöglichkeit über Nacht: Es kann das Luftfahrzeug gegen Gebühr auch über Nacht von Samstag auf Sonntag abgestellt werden. Für die Bewachung ist ein gewerblicher Wachdienst vorgesehen und kann zu dessen Bewachungs-bedingungen in Anspruch genommen werden

Die Einladung zum Flugtag 1997 publizierte die österreichische NEUE FLIEGER REVUE (Chefred. Manfred HLUMA) wie folgt:

Bericht Flugtag Wien-Aspern 1997 MFU

Die Anfahrtskarte Flugtag Wien-Aspern 1997, Klosterneuburger „Flug- Geschichte“:

Anfahrtskarte Flugtag Wien-Aspern 1997

Auch die öffentliche Anfahrt für unsere Besucher war gewährleistet:
Ein von der MFU organisierter Shuttlebus von Dr. RICHARD fuhr während der Betriebszeiten viertelstündlich ab Linie 25 direkt zum Asperner Flughafen und zurück. Trotz schlechtesten Wetters, Wind und Regen besuchten mehr als 5.000 Personen den Flugtag, welcher neben unseren Mitgliedern auch von der Klosterneuburger Feuerwehr, dem Österreichischen Bundesheer (Pioniere Klosterneuburg, Fla-Brigade Großenzersdorf), dem Grünen Kreuz und Klosterneuburger Gewerbetreibenden aktiv mitgestaltet wurde.

Die Erstlandung sowie den letzten Abflug führte der Veranstalter und damalige GR Gustav Z. HOLDOSI mit einer FUJI FA200/180 mit Kennzeichen D-EIDW durch

Es fanden sich zahlreiche Flächenflugzeuge, Hubschrauber und Ultralights auf dem ehemaligen Flughafen ein. Dank einiger Enthusiasten und den vielen fleißigen Händen unserer Clubmitglieder und Hr. Holdosis Mitarbeiter Hr. Ing. BALLA wurde die ehemalige Piste 18/36 wieder in einen brauchbaren Zustand versetzt, die Beschriftungen erneuert.

Und es  fanden in Aspern sogar wieder offiziell Schulungsflüge statt! Der Veranstalter ließ es sich nicht nehmen mit einem Robinson R22 schulmäßig zu hoovern.

Natürlich durfte auch die obligate Flugzeugweihe nicht fehlen, die vom damaligen 66. Klosterneuburger Propst Bernhard BACKOVSKY durchgeführt wurde. Im Bild der Veranstalter Gustav Z. HOLDOSI (3.v.r.)

   

Gern gesehen wurde das phantastische PC6-Flugbalett der Fliegerdivision aus Langenlebarn (LOXT), welche mit der 3GEF und 3GEG an der Veranstaltung teilnahmen.

 

Der Jet-Ranger des österreichischen Bundesheeres Fliegerdivision durfte vom Publikum betreten bzw. besichtigt werden. Viele kleine Besucher waren das erste Mal an Bord eines Kampfhubschraubers. Gerade die Jugend konnte nach langer Zeit wieder einmal mit der Luftfahrt vertraut gemacht werden. Viele der sogar in unmittelbarer Umgebung aufgewachsenen Jugendlichen wussten nicht einmal, dass sie neben dem ehemaligen Gelände des ersten Verkehrsflughafens Europas aufwuchsen! Großes Interesse erweckten auch Rundflüge mit einer Bell 206 und die Vorführung einer Katana DA20.

  

Dazwischen landeten immer wieder Piloten, die Aspern als besonderes einmaliges Ziel auserkoren hatten: Piper PA28 Warrior und Katana DV20

  

Nach der Landung wurden die Piloten von einem Einweiser auf vorbereitete Parkplätze eingewunken. Der Abflug auf der kurzen Piste erforderte Können. Hier eine Cessna 150 beim Start, im Hintergrund geparkte Flugzeuge

 

Attraktiv und sehr beliebt war das Flughafen-Sonderpostamt in LOWA, welches mit einem Ersttagsstempel und alten Luftfahrtbriefmarken aufwartete. Gut erkennbar der Ersttagsstempel, den die MOTORFLUGUNION Klosterneuburg gemeinsam mit dem Briefmarkenverein KSV WIENGAS herausgab. Mit einer Abwurfgenehmigung flog Dr. Karl BENES von Aspern zur Magdeburgkaserne Klosterneuburg und warf in den Hof der PiTS ein Postpaket ab, das durch die Pioniertruppenschule zum Postamt Klosterneuburg weitertransportiert und die Zustellung der Luftpost übernahm. Die am Stempel erkennbare Flugdame AVIANE wurde über Bitte von G. Z. HOLDOSI von Arch. DI LISKA Wien entworfen und fand in Sammlerkreisen großen Anklang.



Gegen Abend wurden dann im Festzelt die Preise eines Glückstopfes und 1.000 Hamburger-Gutscheine von Mc Donalds verteilt.

Hier der Bericht, den die FLUGSPORTZEITUNG (Chefred. Karl BERGER), Ausgabe April - Juli 1997, wie folgt veröffentlichte:

"Es war phänomenal: Viele Flugzeuge und Besatzungen folgten dem Ruf aus Wien-Aspern. Piloten, die in Wien-Aspern fliegen gelernt hatten kamen genauso begeistert, wie Asperner-Piloten, die wie Gustav HOLDOSI noch ein letztes Mal in Aspern landen wollten. Es kamen aber auch Piloten, die erst nach Schließung des Flughafens ihren Pilotenschein machten und diese historische Chance nutzen wollten."

Hier können Sie die >>Flugzeuge und Teilnehmerliste Aspern 1997<< einsehen!

 

 

 

 

 

 

 

Bedenkt man, dass die Stadt Klosterneuburg ursprünglich den zum Großteil auf ihrem Gemeindegebiet liegenden Flugplatz " Donauwiese" als einen der ersten Flugplätze in Österreich beherbergte, so ist es nicht verwunderlich, dass sich hier wieder ein neuer renommierter Klosterneuburger Flugverein mit eigener Flugschule etablierte.

Von der ehemaligen (Klosterneuburger) Donauwiese aus starteten auch die ersten Flugzeuge der ÖLAG, der österreichischen Luftfahrt AG (Vorgängergesellschaft der AUA). Nach der Sperre der Donauwiese, die der Donauregulierung weichen musste, übersiedelten viele der ansässigen Vereine nach Wien-Aspern (LOWA).

Einige Vereine, wie z.B. die >>SPORTFLIEGERUNION KLOSTERNEUBURG<<, übersiedelte erst nach Wiener-Neustadt-West, dann nach Spitzerberg (LOAS).
Heute befindet sich die SPORTFLIEGERUNION KLOSTERNEUBURG am Standort Wiener Neustadt-Ost (LOAN) und wird vom Obmann der MOTORFLUGUNION KLOSTERNEUBURG als Schwesterverein geführt.